1897

Der Reichstag verabschiedet ein Gesetz über das Auswanderungswesen. Es kann Jedoch den Auswanderungsstrom aus Deutschland nicht eindämmen. Auch aus unserer Gegend suchten etliche Familien ihr Glück in Amerika. Zu diesem Zeitpunkt gehörte Übach der Samtgemeinde Baesweiler an. Als Bauerndorf war von der späteren industriellen Entwicklung noch nichts zu verspüren.

In Übach kam es im Februar 1897 zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr.

Folgende zwanzig Einwohner schlossen sich an:

Josef Reuters, Jakob Mickartz, Matthias Stürtz, Johann Mehlkop, Heinrich Mertens, Wilhelm Cremer, Josef Peters, Hermann Delahaye, Hubert Altdorf, Jakob Engelen, Wilhelm Krampen, Hubert Mingers, Albert Finken, Heinrich Altdorf, Peter Wertz, Josef Mehlkop, Fritz Boymanns, Michael Plum, Wilhelm Dreschers, Josef Dückers.

Zum Brandmeister wurde im Gründungsjahr Josef Reuters gewählt. Sein Stellvertreter war Johann Mehlkop. Schriftführer wurde Jakob Mickartz und Kassierer 1897.

1901 bis 1920

1901 - 1903

Mit großer Begeisterung wurde die erste Arbeit aufgenommen. Jeden Sonntag, im Sommer frühmorgens um 5 Uhr, wurden die Mannschaften durch Hornsignal geweckt und zu ihren Übungen gerufen, die außerhalb des Ortes stattfanden. Abschließend, im Oktober jeden Jahres, lud die Wehr die Gemeindebehörden und die Einwohnerschaft zur Besichtigung der Jahresschlussübung ein. Hierbei waren von Jahr zu Jahr erfreuliche Fortschritte festzustellen. Durch ihr schneidiges Auftreten in ansprechender Uniform hatte sich die Wehr schnell in Übach populär gemacht. Ihr Mitgliederstand erhöhte sich von 1901 bis 1903 um weitere zehn Personen, und zwar durch: 

Heinrich Keuter, Josef Pauels, Peter Altdorf, Heinrich Mingers, Martin und Leo Dreschers, Peter Dreschers, Andreas Windmüller, Johann Dressen und Josef Fröschen. 

Da unter den Vorgenannten mehrere ein Blasinstrument spielten, war es verständlich, dass die Wehr für ihre Aufzüge im Jahre 1901 eine eigene Musikkapelle ins Leben rief. Diese bestand aus zwölf Personen. 

Ein Alsdorfer Musiker dirigierte sie. Jeden Sonntag Vormittag wurde im Vereinslokal Crampen geprobt. Durch diese Musikkapelle gewann die Volkstümlichkeit der Wehr noch mehr an Boden.

 

1906

In diesem Jahr hatte die Wehr erstmalig seit ihrem Bestehen Gelegenheit, ihr Können bei der Bekämpfung eines größeren Hausbrandes unter Beweis zu stellen. In dem Anwesen der früheren Hausbesitzer Römers und Philipps in der Hauptstraße, heute Freiheitstraße, standen die Hintergebäude in hellen Flammen. Dank dem schnellen und geschickten Eingreifen der Feuerwehrleute wurde die Ausdehnung des Brandes verhindert. Eines der bedrohten Vorderhäuser konnte gerettet werden.

 

1908

Eine große Freude war es für die Wehr, dass sie von der Gemeinde zu ihrer alten Spritze eine moderne Handdruckspritze erhielt, deren Modell auf der damaligen Brüsseler Weltausstellung die goldene Medaille errang und hier in Übach wie auch bei den Nachbargemeinden Bewunderung hervorrief. Die Feuermeldestelle befand sich im Hause des Bergmannes Hubert Mingers, der auch zu den Gründern der Feuerwehr zählte.                                                 

Mit der 1908 angeschafften modernen Druckspritze war man jedem größeren Brand gegenüber gut gewappnet. Das bewies die Wehr bei dem großen Heidebrand in der Nähe von Teveren, den sie in Zusammenarbeit mit anderen Wehren und mehreren Kompanien des früheren Infanterieregimentes 25 aus Aachen bekämpfte.

1914 - 1918.
Im Jahre 1914 wurde bei der Zeche Carolus Magnus bei einer Teufe von etwa 403m das Steinkohlengebirge erreicht. Die provisorische Abnahme des Schachtes 1 war am 12.11.1914. Die Fertigstellung von Schacht 2 wurde durch den Ersten Weltkrieg erschwert. Am 01.01.1918 war der Schacht fertig und nach dem 01.01.1919 begann die Förderung.

1914 starb der erste Brandmeister der Übacher Wehr Josef Reuters im 17. Jahr seiner Amtsführung. Sein Nachfolger wurde der bisherige stellvertretende Brandmeister Johann Mehlkop.

Im Verlauf des Ersten Weltkrieges werden fast alle jüngeren Feuerwehrleute zum Kriegsdienst eingezogen. Sieben kehrten nicht mehr in die Heimat zurück:
Josef Engelen, Matthias Windmüller, Fritz Esser, Peter Streiffels, Josef Errens, Peter Louppen und Kaspar Breuer.

1920 bis 1928

1920
Brandmeister Mehlkop wurde noch im letzten Kriegsjahr als Landsturmmann eingezogen und kehrte kriegsverletzt nach Hause zurück. Infolge seiner Verletzung legte er 1920 sein Amt nieder, das nun in die Hand von Heinrich Fröschen überging.

1922
Die Wehr konnte bereits auf ihr 25jähriges Bestehen zurückblicken. In diesem Jahr wurden die Häuser in Übach mit Wasser und Strom versorgt. Ein großer Fortschritt für die Bevölkerung und eine wesentliche Erleichterung für die Wehrleute, da nunmehr im Brandfall direkt über Hydranten die Wasserversorgung für die Feuerwehrspritze gewährleistet war. Zuvor musste von den öffentlichen Wasserstellen bis zum Brandort eine Eimerkette gebildet werden, damit die Feuerwehr in Aktion treten konnte.

1925
Mit dem Aufstreben der Bergwerksindustrie vollzog sich auch in Übach der Wandel in das Industriezeitalter. Aus diesem Grunde war die Wiederherstellung der Selbständigkeit der Gemeinde Übach unumgänglich Am 1. Januar 1925 erfolgte schließlich die Genehmigung der Rechte einer selbstständigen Bürgermeisterei in Übach. Der Gemeinderat wählte am 10. März 1925 Paul Ollig von der Bezirksregierung Aachen zum Bürgermeister.

Auf einem Wiesengrundstück wurde in diesem Jahr, auf dem heute die Carolus-Magnus- Apotheke steht, das erste große Feuerwehrfest gefeiert. Es war ein überaus starker Besuch der Einwohner und auswärtiger Wehren zu verzeichnen und brachte einen beträchtlichen Gewinn. Im gleichen Jahre baute die Wehr auf dem Gemeindesportplatz einen massiven Steigerturm. Eine größere Abordnung fuhr im Spätsommer desselben Jahres nach Remagen zum Provinzialfeuerwehrfest, mit dessen Besuch ein Ausflug durch das untere Ahrtal verbunden wurde.

1927
Es kam wiederum zu einem Wechsel in der Führung der Wehr. An Stelle von Heinrich Fröschen trat Leonhard Savoir. Groß war die Freude der Mannschaft, als ihnen die Gemeinde eine neue Uniformgarnitur verschaffte, in der sie künftig bei festlichen Gelegenheiten und Aufzügen auftraten.

1928
Auf den beiden Gutshöfen Hoverhof war ein Brand ausgebrochen, der in den gefüllten Scheunen beider Höfe reichlich Nahrung fand und die gesamten Wohngebäude bedrohte. Als Großbrand gekennzeichnet, alarmierte man neben der Übacher Wehr die Werkswehr der Zeche Carolus Magnus, die Freiwillige Feuerwehr Geilenkirchen und die Berufsfeuerwehr von Würselen. Erst nach stundenlangen Anstrengungen gelang es, das Feuer zu löschen.

1930 bis 1945

1930
In diesem Jahr wurde die Ausrichtung des alljährlich stattfindenden Kreisfeuerwehrfestes nach Übach übertragen, für das umfangreiche Vorbereitungen getroffen werden mussten. Ein stattlicher Festzug, in dem sämtliche Wehren des Kreises und einige niederländische Wehren vertreten waren, bewegte sich durch den festlich geschmückten Ort zu der in der Rimburger Straße gelegenen Wiese des früheren Gemeinderentmeisters und Postagenten Engelen. Hier fanden während des Festes verschiedene Übungen der Übacher Wehr statt. Besonders die musterhaften Steigeübungen wurden bewundert.
Am 21.10. ereignete sich das große Unglück auf der Grube Anna in Alsdorf, zu der unter anderem auch die Übacher Wehr drei Tage lang zu Wach- und Aufräumarbeiten abkommandiert wurde. 271 Kumpel fanden den Tod.

Bald danach gab es einen erneuten Einsatz bei einem Großbrand, der auf dem landwirtschaftlichen Anwesen Stefan Schmitz, heute Glasmacher, in der Rölkenstraße ausgebrochen war. Vor Erscheinen der Mannschaft war der Brand bereits auf das bäuerliche Anwesen des Nachbarn Röhlen übergegangen. Bei diesem Einsatz verbrannten elf Kühe. Nur durch das beherzte Eingreifen der Wehrleute unter dem Kommando ihres Einsatzleiters Leonhard Savoir, dem Vater des späteren Kreisbrandmeisters Paul Savoir, konnte verhütet werden, dass beide Gehöfte zu Schutt und Asche wurden.
 

An diesen Einsatz erinnert sich Hubertine Hansen, geborene Mingers, aus der Rubensstraße in Übach noch ganz lebhaft. Sie musste als Kind den Hornisten (ihren Vater) im Unterdorf vertreten, da dieser verhindert war. Vor lauter Aufregung vergaß sie, sich Schuhe anzuziehen und fuhr barfuss mit dem Fahrrad durch den Ort.

1931
Kurz nacheinander, am 17., 18. und 19. September, wurde die Wehr zu Bränden gerufen, die an den beiden ersten Tagen in großen Feldschobern, am dritten Tage in einer Scheune des Gutes Blaustein, auf nicht geklärte Weise ausgebrochen waren.

1934
Wieder war ein Großbrand in Übach zu verzeichnen. Diesmal brannte es im Kirchberg in den zusammenhängenden Bauernhäusern der Einwohner Arnold Philipps, Josef Philipps, Arnold Reinkens und Franz Wienands. Es war ein sehr bedrohliches Feuer, dessen Auswirkung noch schlimmer hätte werden können, wenn die Feuerwehrleute nicht mit äußerster Umsicht und Anspannung ihrer Kräfte und Hilfsmittel gearbeitet hätten und so Herr der Lage wurden. Ihre hervorragenden Verdienste bei der Bekämpfung dieses Großbrandes wurden der Wehr durch ein besonderes Anerkennungsschreiben seitens des Provinzialfeuerwehrführers bestätigt.

1935

Seitdem die Gemeinde Übach 1925 wieder selbständig war, gab es Arbeit in Hülle und Fülle. Durch die Steinkohlenzechen in Übach-Palenberg und Baesweiler hatte sich nicht nur das Gesicht der Landschaft erheblich gewandelt, auch die Bevölkerungszahlen stiegen ständig an. Am 1. Mai 1935 werden die Landgemeinden Übach, Scherpenseel und Frelenberg zu einer neuen Großgemeinde zusammengeschlossen. Die neue Gemeinde trägt fortan den Namen Übach-Palenberg.

Aus diesem Grunde kam es zum Zusammenschluss der in den drei Gemeinden bisher bestehenden Feuerwehren einschließlich der Werksfeuerwehr der Zeche Carolus Magnus zu einer Amtfeuerwehr. Der Übacher Brandmeister Leonard Savoir wurde zum Amtwehrführer ernannt.
 

1937
Die Gemeinde beschaffte eine Brandsirene, die vorerst auf dem Dachstuhl des früheren Schulgebäudes am Kirchplatz, nachher auf dem des neuen Rathauses aufgestellt wurde. Diese Sirene funktionierte mit Druckluft und ist heute nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten auf dem Dach des neuen Feuerwehrhauses installiert. Sie löste den jahrelangen Alarmruf des auf einem Fahrrad durch den Ort fahrenden Hornisten ab.

1939 - 1945
Mit dem deutschen Angriff auf Polen brach am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg aus. Am 8. Mai 1945 endete er durch bedingungslose Kapitulation Deutschlands. Millionen Tote sind Bilanz des Nazi-Regimes und des Zweiten Weltkrieges.

Viele Feuerwehrleute der Wehr Übach wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Folgende mussten ihr Leben lassen:
Hubert Mehlkop, Peter Mingers, Walter Vorthmann, Karl Engelen, Hubert Altdorf, Albert Dreßen, Anton Kochs, Peter Herff, Fritz Kreymann, Hubert Kreins, Josef Crampen, Josef Wienands, Christian Mingers, Bernhard Beckers.

Zu einer weiteren Verbesserung des hiesigen Feuerlöschwesens kam es im Jahre 1939 durch die Beschaffung einer Motorspritze, die 800 Liter Wasser in der Minute förderte.

Mit dem Tod von Karl Engelen beklagte die Wehr gleichzeitig den Verlust ihres Amtwehrführers, da er im Jahre 1941 den bis dahin amtierenden Amtwehrführer Leonhard Savoir abgelöst hatte. An die Stelle von Karl Engelen trat nach dessen Einberufung im Jahre 1942 Josef Thelen. Unter seiner Leitung musste in den Tagen vom 3. bis einschließlich 6. März die Wehr zur Hochwasserbekämpfung im Unterdorf antreten. In rund 261 Arbeitsstunden mühten sich die Mannschaften damit ab, das in die Keller und Untergeschosse der Häuser am Rathausplatz eingedrungene Wasser herauszupumpen.

Der anhaltende Fliegeralarm erforderte im gleichen Jahr eine stete Bereitschaft. Hierfür wurden u.a. in Palenberg und Boscheln aus Dienstverpflichteten besondere Löschzüge aufgestellt. In Übach selbst wurde eine ständige Feuerlöschgruppe als Bereitschaftswache in Stärke von neun Mann unterhalten. Nachdem durch Vermittlung der Gemeinde das erste Löschgruppenfahrzeug angeschafft werden konnte, wurde die Wehr im Jahre 1943, wie fünf weitere Wehren aus dem Kreis Geilenkirchen-Heinsberg, von der Regierung aufgefordert, eine besondere Gruppe zur auswärtigen Großbrandbekämpfung bereitzustellen. Zum 1. Einsatz kam es am 12. Juli 1943 bei einem größeren Bombenangriff auf die Stadt Aachen. Hiernach folgten im Jahre 1944 weitere Einsätze in Aachen und Köln.

Als am 14. September 1944 die Heimatbevölkerung zur Räumung aufgefordert wurde, blieben neun Feuerwehrleute mit ihrem Feuerwehrwagen und der Motorspritze vorläufig in Übach zurück. Am 19. September verließen die Wehr und das Personal des Bürgermeisteramtes den Ort, um zunächst noch einen Tag im benachbarten Baesweiler zu bleiben. Dann ging es weiter zu Ausweichstelle Calrath bei Jülich bis zum 28. Oktober. An diesem Tag wurde die Wehr mit anderen evakuierten Feuerwehrgruppen aus dem Kreis Geilenkirchen unter der Bezeichnung "Feuerwehrbereitschaft Wolf 1 Düsseldorf-Wersten" der Luftschutzpolizei zugewiesen und unterstellt. Die auf dem Wege nach Düsseldorf mitgeführten Löschgeräte blieben größtenteils in Krefeld zurück, wo sie in den weiteren Kriegswirren verloren gingen. Die Feuerwehrbereitschaft Wolf 1 wurde alsbald zu mehreren Großeinsätzen in Düsseldorf, Neuss, Köln und Solingen angefordert, wo durch Fliegerangriffe hervorgerufene Großbrände zu bekämpfen waren.

Letzten Endes wurden noch fast alle Mitglieder der Gruppe zur immer weiter zurückweichenden Wehrmacht einberufen.

Als die Wehrleute nach dem Krieg in ihre Heimat zurückkehrten, stand die eigene Sorge um Leib und Leben an erster Stelle. Die Existenz der einst so bedeutenden Wehr war in Frage gestellt. Nach einer geraumen Zeit gelang es schließlich Brandmeister Thelen, neun Mann um sich zu versammeln. An Ausrüstungen und Löschgeräten war fast nichts mehr vorhanden. Es mussten weitere 20 Mann dienstverpflichtet werden, die aber in kurzer Zeit größtenteils freiwillig zur Wehr übertraten.

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